Blumen des Lebens
«Freundschaft Genossin» erschien im Sommer 2024. Ich war mit dem Endergebnis nicht zufrieden, auch nicht mit dem Lektorat. Warum hatte ich beim neuerlichen Ausbruch des Ukraine-Krieges im Februar 2022 einfach aufgehört zu schreiben? Ich war, erschüttert, umgedreht, hatte im bereits erblühenden Text über Blumen und Menschen – im Garten der surrealen Blüten. Die Mohnblumenzeit war verloren gegangen. Als ich sechs Monate später die Arbeit wieder aufnahm und dann beendete, ging es wieder um einen Garten. Dort, in Isolation auf dem Land, finden Menschen auf der Flucht vor einer Pandemie Zuflucht, wie zu Zeiten der Pest in Italien. Mit viel Arbeit und Mühe beendete ich das Buch. Seither habe ich nur noch wenig geschrieben.
Dabei ist es wahrscheinlich, wie wenn frau vom Pferd fällt: Frau sollte dann, möglichst ohne viel nachzudenken, wieder aufs Pferd (in die Buchstaben!) steigen (oder auf das Maultier, wie Don Quichotte eines hatte) und weiterreiten.
Nachdem „Freundschaft Genossin“ veröffentlicht war, hatte ich keine Freude an dem Buch. Anstatt Lesungen mit Video aufzunehmen und ins Internet zu stellen, wie ich das früher gemacht hatte, anstatt das Buch zu bewerben und zu verteilen versteckte ich mich. Ich schämte mich ein wenig für diese Arbeit. Um mein persönliches Exemplar des Taschenbuches hatte ich einige Monate nach dem Erscheinen einen roten Faden, gewickelt, mehrfach. Und ich schrieb danach nichts mehr, ausser einige Skizzen und mein Arbeitstagebuch.
Vor einigen Wochen, nach meinem täglichen Besuch im Garten, bei den Blüten der vielfarbigen Akelei, legte ich im Atelier die drei Bücher der Trilogie vor mich auf den Schreibtisch. Ich nahm «Freundschaft Genossin», löste den vielfach gewickelten roten Faden, öffnete das Buch. An einer beliebigen Stelle las ich, und dann immer weiter. «Das ist ja richtig gut!», dachte ich, «vielleicht zu wenig bearbeitet…»
Eine Welle der Kraft erschien im Raum. Das neue Schreib-Projekt begann unspektakulär, nach langer Wartezeit, an diesem Morgen.
Ein Foto von Jonas Burgerts Gemälden hängte ich im Atelier an eine Wand. Inspiration erschien: Erste Fäden sind versponnen, Silbenfäden, Wortmalerei ist rot und grün – Augenblicke.
Nun erschienen sie langsam in meinem Atelier: Die Mütter, tiefrot. Blumen des Lebens.
