Blog

Nachdenken über «Freundschaft Genossin» 

15.05.2026 Allgemein Keine Kommentare

 

Das Buch «Freundschaft Genossin» – mit den Blüten eines Apfelbaums und dem kleinen, weissen Rhinozeros auf dem Buchumschlag – es besteht aus so vielen Erzählsträngen, dass mir während des Schreibens der Vergleich mit dem Weben eines Teppichs eingefallen ist.

War ich dabei die Weberin? Oder wurde ich, die Erzählerin, von dem entstehenden Sog des Schreibens mit eingewoben? Wie hätten die Muster der Webestücke aus Schriftzeichen glatt und harmonisch sein können, wenn die Welt, wie wir sie kannten, langsam und manchmal fast lautlos ins Unbekannte, Unberechenbare kippte? Dieses Buch ist eine  «zweite Version». In der ersten Version, «Mohnblumenzeit», kam tatsächlich «die Erzählerin» vor. Sie erzählte die Geschichte einer Pandemie und einiger Menschen, zurückgezogen, in einem Garten. Sie blickte von ausserhalb des Gartenzauns auf das Geschehen auf der Erde. Sie  sorgte sich gleichzeitig um ihre Figuren, aber auch um den Lauf der Geschichte, die ausserhalb der Erzählung blieb, ausserhalb des Gartens.

Nach dem «Neustart» dieses dritten Teils der Trilogie, nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine, nach monatelangem Schweigen, konnte ich nicht mehr zurück, in ein einfacheres Erzählen. Nachdem ich noch einmal begonnen hatte, meine Stimme zu erheben, konnte ich aus dieser neu entstehenden Vielstimmigkeit des Romans nicht mehr aussteigen. Als Menschheits-Kollektiv in Europa waren wir, während das Buch zu Ende geschrieben wurde, noch in eine Pandemie verstrickt, in in schrillen, lauten und unberechenbaren Zeiten angekommen. Es reihte sich eine Ungehörigkeit an die andere: politisch, epidemisch, demokratisch, künstlich, überwältigend, gelogen.

Was ich in diesem Buch versuchte, war auch mir manchmal zu viel. Zwischen 2021 und 2024 geschrieben, nahmen die Geschichten Vieles voraus, was erst 2025 in der Wahrnehmung der meisten Menschen erschien.

Die Stimmen, diese kleinen Menschenstimmen, die im «Lebenden Theater» noch immer von einer schöneren Welt für uns alle träumten – waren sie unwichtig? War die Zartheit eines Menschenlebens gar nicht mehr kostbar? Sollte es kein Thema mehr sein? War die Liebe abhandengekommen? War Mitgefühl lächerlich? Erschien Güte nur noch als Schwäche oder Dummheit?

Sie alle in «Freundschaft Genossin», sie, dort am Seeufer des Grünen Sees, sie leben zwischen den Buchseiten in der einfachen Hoffnung darauf, auf das Leben selbst vertrauen zu können. Ist das schon Aufstand?

 LINK zur Bestellung: https://shop.garudabooks.ch/de/freundschaft-genossin-roman-von-karin-koppensteine.html

15.05.2026

Tags: • • • •





Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Die Kommentare sind geschlossen.